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Finsterbergmade, die: Die Finsterbergmade [Mado inferioris] oder Eisenmade gehört, obwohl man es bei ihrem Äußeren kaum zu glauben vermag, zur Spezies der ordinären Erdwürmer, freilich auf einer sehr hohen Entwicklungsstufe. Einerseits findet man bei der Finsterbergmade biologische Anknüpfungspunkte zum primitiven Peitschenwurm [Trichocephalus dispar], besonders was die Verdauungsorgane angeht, andererseits zum wesentlich komplizierter gebauten Röhrenwurm [Hermella komplexiensis]. Finsterbergmaden erreichen in ausgewachsenem Stadium etwa die Größe eines spalthufigen Steppeneinhorns und sind damit die drittgrößte Wurmspezies Zamoniens, nach dem niederzamonischen Kalkegel und demMidgardwurm. Sie leben davon, sich durch die Metallschichten der Finsterberge [wo sie ausschließlich beheimatet sind] zu arbeiten und dabei alle Nährstoffe aus dem gefressenen Metall zu filtern und zu verdauen. Dafür sind sie mit außergewöhnlichen Kauwerkzeugen ausgestattet, um die sie jeder Raubsaurier beneiden würde. Die ausgewachsene Finsterbergmade ist außerdem in der Lage Feuer zu speien, ähnlich wie die Feuerwerksdrachen des brasilianischen Regenwaldes, mit denen sie aber nicht verwandt ist, denn die Drachen gehören zur Familie der Knotenhäutler, während die Oberfläche der Finsterbergmade von poliert wirkender Struktur ist. Der ganze Körper der Finsterbergmade ist aus schimmerndem rostfreien Edelstahl. Sie hat einen Unterkiefer in der Form einer Baggerschaufel, besetzt mit diamantstaubbeflockten Sägezähnen. Anstelle von Armen hat die Made Kneifzangen, als Füße Stahlklauen, und ihr Hinterkörper läuft in eine riesige Metallfeile aus. Die mechanische Erscheinungsform der Eisenmade hat Anlass zu Spekulationen gegeben, sie sein künstlichen Ursprungs und komme von einem anderen Planeten oder aus einer anderen Dimension. Wahrscheinlicher ist, dass die Natur ihren Weg gefunden hat, den lebensfeindlichen Verhältnissen der Finsterberge zu trotzen, indem sie ihnen eine eisenhaltige Daseinsform entgegenstellt. Die Finsterbergmade ist wahrscheinlich im Verhältnis zu ihrer Größe die stärkste Kreatur unseres Kontinents, ihre äußere Erscheinung gehört zum Beeindruckendsten, was Zamonien zu bieten hat, und ihre Gefährlichkeit lässt sich wohl nur noch mit der des allesfressenden Säbelzahnsauriers vergleichen, dem man sein Junges geraubt hat.


Die Entstehung der Eisenmade verliert sich im Sagenhaften, der Ursprung lässt sich nicht wissenschaftlich exakt bestimmen. Eine alte zamonische Sage behauptet, die ersten Eisenmaden seien aus dem Kot von Riesenzyklopen gekrochen, eine andere, dass sie aus den Tränen von Gewitter-Göttern entstanden sind [→Finsterberggewitter, das]. Tatsache ist, dass die ersten Eisenmadenvor Hunderttausenden von Jahren angefangen haben müssen, die Finsterberge zu durchlöchern, so porös wie dieses Gebirge heute ist. Es gibt dafür noch keine wissenschaftliche Untermauerung, aber man vermutet bei den Eisenmaden neben der Wurmverwandtschaft eine familiäre Zugehörigkeit zur Termite. Die termitenbauähnliche Durchlöcherung der Finsterberge legt dies nahe.


Die Eisenmade ist ein Einzelgänger. Gelegentlich begegnet eine Made der anderen, aber man schenkt sich kaum Beachtung. Eine der großen unbeantworteten Fragen um die Finsterbergmade ist, wie sie sich fortpflanzt, angesichts des fehlenden Kontakts zu ihren Artgenossen. Die Antwort darauf könnte eine andere zamonische Sage geben, die von der "Großen Made" erzählt, einer Madenkönigin, die im Inneren der Finsterberge haust und Eier aus Stahl legt, aus denen die Eisenmaden schlüpfen. Eine wissenschaftliche Bestätigung dafür gibt es aber bislang nicht.


Die Finsterbergmade gehört zur Gattung der Einschläfer, das heißt, sie schläft nur ein einziges Mal in ihrem Leben, dann aber 14 Jahre an einem Stück kurz nach Erreichen ihres zweihundertsten Lebensjahres. In dieser Zeit verbraucht sie die bis dahin angesammelten Eisenreserven und atmet nur einmal im Monat.[1]


QuellenangabenBearbeiten

  1. Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär(6. Mein Leben in den Finsterbergen), Ein Lufthauch mit schlechten Nachrichten, S. 191-194; Der Weg der Made 196f.

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